Kliniksanitäter*in

Kliniksanitäter*in

Das Projekt „Kliniksanitäter*in“ wurde als Kooperation zwischen der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv‑, Notfall-, Transfusionsmedizin und Schmerztherapie und den Notaufnahmen des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB), mit dem Fachbereich Medizin und Rettungswesen des Studieninstituts Westfalen-Lippe (StiWL) konzipiert und umgesetzt. Das EvKB ist ein deutsches Klinikum der Maximalversorgung (1.755 Betten) mit zwei Standorten. Pro Jahr werden im Erwachsenenbereich auf fünf Intensivstationen ca. 5.000 Intensivpatienten und in zwei Notaufnahmen ca. 45.000 Patienten behandelt. Das EvKB gehört zum Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld. Der Fachbereich Medizin und Rettungswesen des StiWL ist mit der Aus-, Fort- und Weiterbildung von jährlich über 5.000 Teilnehmenden aus 120 kommunalen Rettungsdienstbereichen betraut.

Projektkonzeption

Die Initiatorengruppe des Projekts „Kliniksanitäter*in“ war interprofessionell aus Fachärzten für Anästhesiologie, Intensiv‑ und Notfallmedizin sowie Unfallchirurgie, Fachpflegekräften für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallpflege, Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern, Pflegepädagogen, Pflegewissenschaftlern und Praxisanleitenden für die Krankenpflege bzw. Rettungsdienst besetzt.

Erklärtes Ziel war es, die kritischen Klinikbereiche Intensivstation und Notaufnahme durch Rekrutierung qualifizierten Hilfspersonals unter Sicherstellung einer möglichst hohen Versorgungsqualität im pflegerischen Bereich zu unterstützen, um dadurch personell eine Covid-19-Pandemie-bedingt notwendige Erweiterung der Intensivkapazitäten zu untermauern. Die qualitativ hochwertige Versorgung der Intensivpatienten sowie der Schutz der psychosozialen und physischen Gesundheit der Mitarbeitenden hatte dabei besondere Priorität.

Aufgrund der Dynamik der Covid-19-Pandemie wurde der Adressatenkreis auf medizinisch vorgebildetes, freiwilliges Personal beschränkt. Zur Zielgruppe gehörten u. a. Rettungsdienstpersonal, Pflegekräfte und Medizinstudenten. In der Initiatorengruppe wurden eingangs Aufgabenbereiche und Tätigkeiten für Kliniksanitäter*innen definiert. Diese waren intensivmedizinisch: Assistenz bei invasiven Prozeduren (Anlage von arteriellen Kanülen, Blasenkathetern, Magensonden, Thoraxdrainagen, peripheren und zentralen Venenkathetern (ZVK)) und bei pflegerischen Maßnahmen (Lagerungs- und Pflegemaßnahmen, endotracheales und orales Absaugen, Vor- und Nachbereiten von Infusionen, Medikamenten und Perfusoren, Patiententransporte), in den Notaufnahmen: Anlage eines peripheren Venenzugangs und Blutentnahme, Einschätzen von Notfallpatienten, Erheben von Vitalparametern, Patiententransporte, Vor- und Nachbereitung von Wundversorgungen, Infusionen, Medikamenten  sowie in der innerklinischen Notfallversorgung: Unterstützung des innerklinischen Notfallteams (Reanimation, Initialtherapie/-diagnostik der akuten respiratorischen bzw. hämodynamischen Insuffizienz, Vigilanzminderung) (siehe Abbildung). Auf Grundlage von klinikinternen Standards sowie Empfehlungen der Fachgesellschaften wurden Standards und Checklisten für die entsprechenden Maßnahmen erstellt.

Durchführung der Onlinemodule

In den Onlinemodulen der ersten Stufe wird durch insgesamt 24 Videotutorials mit einer Dauer zwischen drei und elf Minuten die Vorbereitung und Assistenz der unterschiedlichen Maßnahmen der verschiedenen Module demonstriert und durch Lerntexte und Checklisten ergänzt. Das Modul 1 „Intensivstation“ besteht dabei aus 11 Videos [Einführung in die Intensivstation, Vorbereitung und Assistenz einer Anlage eines zentralen Venen- und arteriellen Katheters, der Thoraxdrainagenanlage, endotrachealen Intubation, der endotrachealen Absaugung, Mundraumpflege, Versorgung einer Trachealkanüle, Lagerungsmaßnahmen, Hygiene auf der Intensivstation, Ethik in der Intensivmedizin], das Modul 2 „Notaufnahme“ aus 8 Videos [Notfalldisposition, Monitoring der Vitalparameter, Vorbereiten und Assistenz der Blutentnahme, der Blutzuckermessung, der Sonographie im Schockraum, Einführung in den Schockraum, Schockraummanagement, Umgang mit isolationspflichtigen Patienten] und das Modul 3 „Innerklinische Notfallversorgung“ aus 5 Videos [Der innerklinische Notruf, Ausrüstung des „medical emergency team“, innerklinische Reanimation, die akute respiratorische und kardiozirkulatorische Insuffizienz]. Eine Lernerfolgskontrolle erfolgte nach jedem Tutorial mittels sieben vollständig korrekt zu beantwortender Multiple-Choice-Fragen, deren Bestehen zwingende Voraussetzung für die Teilnahme an den folgenden Tutorials war. Nach Bestehen aller Lerneinheiten wird ein Gesamtzertifikat über die erfolgreiche Teilnahme am E-Learning ausgestellt, das Eingangsvoraussetzung für die Anmeldung zur zweiten Stufe, dem Praxiseinsatz ist.

Durchführung des Praxiseinsatzes

Der Praxiseinsatz wird standortübergreifend nach Interessenlage der Teilnehmenden (Modul 1 und/oder 2) koordiniert. Das Modul 3 ist Bestandteil beider Praxiseinsätze. Die Teilnehmenden werden einer Praxisanleitung kontinuierlich zugeordnet und anhand einer Checkliste, auf der die Inhalte und Maßnahmen des Praxiseinsatzes systematisch erfasst sind, für vier Tage unter Supervision der am Einsatzort tätigen Fach- und Oberärzte eingearbeitet. Sofern das Patientenaufkommen die Durchführung einer spezifischen Maßnahme, z. B. einer Thoraxdrainagenanlage, nicht erforderlich macht, werden die Teilnehmenden vor Ort in die lokalen Besonderheiten der entsprechenden Maßnahme eingewiesen. 

Bei Abschluss des Praxiseinsatzes erfolgt ein Abschlussgespräch mit dem Praxisanleitenden und dem supervidierenden Arzt. Neben einer Evaluation der Einsetzbarkeit der Teilnehmenden durch die Praxisanleitenden (einsetzbar, einsetzbar unter Supervision, nicht einsetzbar) werden hier die durchgeführten und in der Checkliste der Teilnehmenden dokumentierten Maßnahmen erfasst und das subjektive Sicherheitsempfinden bei den erlernten Maßnahmen anhand der bereits eingangs verwendeten Likert-Skala bewertet. Es besteht darüber hinaus für die Teilnehmenden die Möglichkeit, Ängste vor bestimmten Maßnahmen zu äußern und diese explizit aus dem Aufgabenfeld auszuschließen. 

Schließlich wird gemeinsam entschieden, ob die Teilnehmenden sich für einen Einsatz im Wahlbereich eignen. Nach erfolgreichem Abschlussgespräch wird eine Urkunde zum „Kliniksanitäter“ bzw. zur “Kliniksanitäterin” ausgestellt.

Lehrgang buchen

Nachfolgend sind alle aktuell verfügbaren Lehrgänge aufgelistet. Sollte kein Lehrgang angezeigt werden gibt es aktuell leider kein entsprechendes Angebot. Sofern freie Plätze verfügbar sind können diese über das Online-Buchungssystem gebucht werden. Bei bereits ausgebuchten Lehrgängen kann der Eintrag in eine Warteliste erfolgen. Bei Fragen wenden Sie sich gerne per E-Mail (rdschule@stiwl.de) oder Telefon (0521/557416-0) an unser Service-Team.